#87 - Mit der ALLURES 51.9 auf der legendären Wikinger-Route

Mit der ALLURES 51.9 auf der legendären Wikinger-Route

Schon Schulkinder wissen heute, dass es nicht Christoph Columbus war, der den amerikanischen Kontinent entdeckte, sondern eine Gruppe isländischer Wikinger. Erik der Rote, auch „Erik, der Wikinger“ genannt, betrat schon 500 Jahre vor den Spaniern in Neufundland den Boden der „Neuen Welt“. Auch wenn die kleinen Siedlungen der Wikinger nicht länger als ein paar Jahre Bestand hatten, fasziniert die Vorstellung der furchtlosen Nordmänner noch immer, die den stürmischen Nordatlantik in ihren rahgetakelten Drachenbooten überquerten. Die Wikinger-Route ist bei vielen meiner Kunden und Interessenten ein dickes „must-have“ auf ihrer seglerischen To-do-Liste.

So auch für Marianne und Markus, die 2019 bei BLUE YACHTING mit der ALLURES 51.9 ihre Traumyacht bestellt haben. Die erfahrenen Segler wussten genau, was sie wollten: „Einen robusten Aluminiumrumpf natürlich, dazu variablen Tiefgang und eine leistungsfähige Heizung, kombiniert mit einer effektiven Boots-Isolierung – dies sind absolute Notwendigkeiten, um in den hohen Norden zu segeln“, betont Markus. „Unsere Entscheidung für die ALLURES wurde maßgeblich durch den makellosen Ruf der Werft für die Herstellung hochwertiger Explorer-Yachten beeinflusst.“

Markus sollte es wissen: Er segelt seit über 40 Jahren auf Yachten sowie auf Grosseglern und hat Meereswissenschaften studiert.  Auch seine Ehefrau Marianne verbringt ihr Leben am liebsten auf und unter Wasser, denn neben dem Segeln ist sie passionierte Taucherin. In der Schweiz startete sie auf ihrer J/88 und segelt seit über 10 Jahren intensiv auf dem Meer. Das Motto der beiden: „My home is my CASTELLA!“. Die Robustheit, die Steifigkeit und der konsequente Fokus auf echtes Blauwassersegeln machen für sie die ALLURES perfekt. „Sie ist groß genug, um Gäste und Freunde zu beherbergen, kann aber leicht von uns als alleinsegelndes Paar gehandhabt werden. Sie ist zuverlässig unter sehr widrigen Bedingungen, sei es im hohen Norden oder in den Tropen. Eine echte „Go anywhere“-Yacht!“

Es geht los: Von Cherbourg auf die Färoer Inseln

Nach den ersten beiden Jahren in britischen und französischen Gewässern des Atlantiks und der Nordsee lassen Marianne und Markus ihre CASTELLA in der Werft in Cherbourg für ihr erstes gemeinsames Offshore-Abenteuer ausrüsten. Ende März 2024 setzen sie dann die Segel. Auf dem Weg nach Norden durch die Irische See und darüber hinaus besteht durchaus die Chance, auf unangenehme Frühjahrsstürme zu treffen, die immer wieder über den Nordatlantik heranrollen. Freundlicherweise hält sich Poseidon zurück und so verläuft die erste Etappe nach Irland ohne allzu harte Bedingungen.

Im Gegenteil, ab und zu muss die Schiffsmaschine die Arbeit übernehmen. Für echte Segler eher langweilig, aber rückblickend ihr Glück: Denn schon auf der ersten Etappe fällt der Motor aus. Ein kleiner Öldrucksensor stellt sich als Urheber für die Panne heraus. Unangenehm: CASTELLA treibt für ein paar Stunden in der Irischen See und wird später von der Küstenwache in den kleinen Hafen von Arklow geschleppt, ein wenig südlich von Dublin. Die Fehlersuche ist komplex, aber das Ersatzteil ist schnell versendet und die Reparatur kein Problem: CASTELLA kann wieder auslaufen und arbeitet sich entlang der östlichen irischen Küste bis zu den Schottischen Inseln durch. Auf dem Programm stehen Landgänge auf Islay und Besuche in Oban oder Ullapool. „Über die Schönheit Irlands und dem Segeln nach Schottland allein könnten wir ein ganzes Buch schreiben“, sagt Marianne. Langsam aber sicher dünnt die Zivilisation aus und die Landschaft wird unberührter, rauer.

Von Stornoway aus richtet das Boot nun endlich den Bug hinaus auf die offene See: Kurs Färöer-Inseln! Einer der großen Meilensteine der Wikinger-Route und Sehnsuchtsziel vieler „Nordsegler“. Ob es das meteorologische Fachverständnis und die kluge Routenplanung des Paares war, oder (wieder) die Gnade Poseidons, CASTELLA trifft jedenfalls auf eine ruhige See mit folgenden Winden. „Natürlich hätten wir uns fünf oder mehr zusätzliche Knoten gewünscht“ meint Marianne, „und ohne die eisigen Nächte und nebligen Tage wäre es weitaus angenehmer gewesen.“ Doch das sind eben auch die Vorboten des viel harscheren Wetters, das die Crew dann weiter im Norden antrifft.

Für die wilde Schönheit der Färöer hätten sie sich gern mehr Zeit genommen, meint Markus, es waren aber nur zwei kurze Stopps möglich. „Immerhin ist es ja Grönland, das wir erreichen wollen! Hier oben ist die Entscheidung, günstige Winde und Seeverhältnisse in einem Wetterfenster abzupassen, von noch größerer Tragweite, als in der Ostsee oder im Mittelmeer“, erklärt er. Und so wird sofort ankerauf gegangen, als sich ein solches für die etwa 450 Seemeilen zur südlichen Spitze Islands ergibt. Ein abenteuerlicher Schlag mit einem ausgeprägten Westkurs.

Feuer und Eis: Endlich in Island!

Als CASTELLA auf den Vestmannaeyjar-Inseln ankommt, ist die Freude groß. Nun ist es nicht mehr weit bis zur Hauptstadt Reykjavik. Vorher geht es aber noch um die Halbinsel Reykjanes, nahe vorbei an den leuchtenden Lavaströmen von Grindavik. Auch der intensive Schwefelgeruch macht die Fahrt in dieser vulkanisch hochaktiven Gegend zu einem ehrfurchtgebietenden Ereignis. Die Crew hat nun endgültig Europa verlassen und ist in die Welt der Wikinger eingetaucht.

Die Yacht verbringt einige Wochen auf Island, um ein Wetterfenster für die Überfahrt nach Ostgrönland abzuwarten. Hier oben kommt zu Wind, Welle und Wetter eine neue Variable hinzu: Das Eis! Alle paar Tage treffen neue Eiskarten des Dänischen Meteorologischen Instituts ein, welche auf Satellitenbildern und Beobachtungen beruhen. Ihr Studium ist ein Muss für alle, die ins Eis fahren wollen oder müssen. “Im Eisgebiet zu segeln ist immer ein Risiko“, sagt Markus. Dabei sind nicht nur die aktuellen Eiskarten interessant: „Es gibt Jahre mit einem sehr dicken und breiten Eisgürtel entlang der Küste, und Jahre mit weniger Eis."

"Ende Mai war der Eisgürtel vor der Küste von Tasiilaq noch immer mehr als 60 Kilometer breit“, sagt Marianne: „Also doppelt so breit wie im Vorjahr! Auch für Versorgungsschiffe gab es noch kein Durchkommen." Die Crew von CASTELLA muss also auf das Schrumpfen des Eisgürtels um Grönland warten. Denn ein Risiko will man trotz robustem Aluminium-Rumpf keinesfalls eingehen. Und deshalb heißt es immer wieder: „Wir müssen noch warten …“ Wobei es hierfür schlimmere Orte als Island gibt, bestätigen beide Skipper lächelnd.

Erst Ende Juni zeigen die Eiskarten endlich eine freie Passage nach Südost-Grönland: Nun heißt es schnell sein: Ablegen und „Segel hoch!“ Kleine Randnotiz: Wer im hohen Norden segelt, bekommt nicht nur von der Natur, sondern auch von den Versicherern Vorgaben, welche beachtet werden müssen, etwa betreffend die maximal zulässige Eisstärke.

Der Schlag durch den Eisgürtel nach Grönland

In Island ist der Sommer längst angekommen, als die Yacht am 15. Juli endlich Richtung Grönland aufbrechen kann. CASTELLA macht gute Fahrt bei moderaten Winden, jedoch muss die Bordmaschine während der fünf Tage dauernden Passage während insgesamt 26 Stunden laufen. Interessant findet Markus, wie plötzlich die mit anfänglich 8 Grad Celsius noch recht angenehmen Tagestemperaturen (und Wassertemperaturen um die 12 Grad) förmlich „abstürzen“, als CASTELLA in die Gewässer des eiskalten Grönlandstroms segelt. „Von 12 Grad Wassertemperatur auf um die 4 Grad! Dieser mächtige Strom bringt frostiges Wasser und viel Eis aus der Arktis. Sehr anschaulich und für mich total aufregend!“, erzählt er begeistert.

Neben dem Segeln und dem Naturerlebnis darf die tägliche Wetterbeobachtung nicht vergessen werden. Hierfür ist CASTELLA ist mit Starlink ausgestattet, das übrigens auf dieser Reise stets zuverlässig funktioniert. Auch andere „aufregende“ Dinge passieren, welche das reiche Spektrum an Offshore-Erfahrungen für die Crew erweitern. So verursacht ein defekter Dieselfilter einen großen Diesel-Austritt in den Motorraum. „Eine Riesensauerei!“, resümiert Marianne. Auf der anderen Seite der Palette sorgen Wetterkapriolen für positive Überraschungen, als es von 4 auf gefühlt mediterrane Temperaturen hochgeht: Die Crew erlebt einen Hauch von Sommer an Deck und kann sich sogar sonnen.

Nach fünf Tagen kommen endlich die ersten mächtigen Eisberge und kurz darauf Grönlands Küstenlinie in Sicht. Es ist ein perfekter Segler-Morgen, nach etwa 650 Seemeilen Fahrt von Island. Etwa 10 Seemeilen vor dem Eingang zum Prince Christian Sound erreicht CASTELLA dann die Eiskante. Dichter Nebel zieht auf, knackendes Eis ist zu hören: „Es wurde bisweilen wirklich unheimlich“, meint Markus: „Der Eisgürtel ist ein sich ständig bewegendes Feld; es ist nicht starr. Eis kann mit bis zu 2 Knoten treiben! Dabei machen uns die Growler besondere Sorgen.“ Sie sind viel kleiner als Eisberge, aber ebenso gefürchtet, da sie durchaus Schäden am Schiff verursachen können. Sie sind schwer zu sehen, denn oft sind sie fast ganz unter Wasser.  Da heißt es volle Aufmerksamkeit beim Steuern und Vorhalten, um einen sicheren Weg zu finden.

„Was für eine Erleichterung war es da, mit einer ALLURES zu unterwegs zu sein!“, sagt Marianne, denn der robuste Aluminiumrumpf vermittelt viel Vertrauen und Stabilität – und das gibt sowohl wahrgenommene wie auch reale Sicherheit. Vorsichtig und akribisch tastet sich CASTELLA unter Motor durch die weiß gesprenkelte See. Obwohl sie bis zu 15 Knoten AWS haben, wäre Segeln jetzt viel zu gefährlich. „Erst als wir endlich unseren Ankerplatz erreicht hatten, konnte mein Herzschlag endlich etwas nachlassen. Es war eine solche Erleichterung!“ Die allerdings nicht lange anhält, denn schon früh am nächsten Morgen hört die Crew ein alarmierendes Quietschen und Kratzen. Noch etwas erschöpft bleibt ihnen nichts anderes übrig, als den Anker zu lichten. „Eine normale Prozedur, wenn man im Eis segelt.“, sagt Markus. Doch dann wird die Crew mit einer unvergesslichen Fahrt durch den Prince Christian Sound belohnt.

Grönlands Südwesten: Segeln im Entdecker-Modus

Während drei Wochen erforscht die Crew die Küstenwelt Grönlands. Sie ankert in kargen, leeren Buchten, sucht aber auch den Kontakt zu den Menschen, indem sie bei den wenigen Siedlungen anlegt. Ob weitab oder (gerade) in der Nähe der Siedlungen wird das Grosskaliber-Gewehr zur Lebensversicherung, denn Eisbären sind auch hier im Süden Grönlands ein stets präsentes Risiko. Es kommt auf dieser Reise aber zu keiner Begegnung. Die einladende Kultur der Grönländer, ihre Neugier und Freundlichkeit schaffen viele glückliche Erinnerungen.

Marianne und Markus versuchen wo es nur geht die lokale Wertschöpfung zu unterstützen, bei den vielen Robben-Produkten ist allerdings Schluss, denn die sind fast überall auf der Welt verboten. „Auch der Austausch mit anderen Crews war jeweils bereichernd, da nur wenige und erfahrene Segler den Weg nach Grönland finden.“, sagt Marianne. „Die Abenteuer, die wir an der Küste Grönlands erlebt haben, bleiben für immer  unvergesslich.“

Die kleine Siedlung Narsarsuaq mit ihren knapp 130 Einwohnern ist eine wichtige Zwischenstation auf Grönland: Da hier internationale Flüge landen und starten, kann ein weiterer Crew-Wechsel aus Europa vorgenommen werden. Die neuen Gäste sind ebenfalls erfahrene Segler, mit denen CASTELLA die dritte und längste Etappe in Angriff nehmen wird. In Qaqortoq werden zum letzten Mal die Vorräte aufgefüllt, dann geht es los: Die neue Welt ruft!

Ankunft in der Neuen Welt!

Die Überfahrt nach Neufundland ist relativ anspruchsvoll und kann ihre Tücken haben. Für einen langen Abschied oder den sehnsüchtigen Blick achteraus bleibt daher wenig Zeit: Schon wird die Küste Grönlands vom Nebel verschluckt, auch das verbliebene Treibeis gerät bald außer Sicht. Angenehme Winde sorgen für eine gute Fahrt nach Südwesten und beste Stimmung an Bord. Mit stabilen Etmalen wandert das Kreuz der Positions-Einträge Stunde um Stunde auf der Seekarte weiter. Ein guter Durchschnitt, das sind um die 6 Knoten Fahrt über Grund.

Und auch wenn es zusehends wärmer wird: Ganz so unbekümmert ist die Crew nicht, denn auch weiterhin müssen regelmäßig Eiskarten heruntergeladen werden, da der kalte Labradorstrom auch im Sommer Eisberge nach Süden bringen kann. Am Ende der Fahrt über die Labradorsee steht ein flotter Am-Wind-Ritt, mit viel Lage und aktivem Steuern: Regattafeeling! „Es war sehr besonders: Nach den Tagen auf See konnten wir die Wälder von Neufundland riechen, obwohl sie noch weit entfernt waren!“, sagt Markus. Und dann, am 6. Tag ertönt der lang ersehnte Ruf: „Land in Sicht!“ Amerika!

Es ist ein außergewöhnlich klarer Tag, an dem CASTELLA in Lewisporte ankommt. Später findet die Yacht dann Schutz vor Hurricane Ernesto, der nahe vorbeizieht, und einige Tage später, am 17. August, erreicht sie Halifax, die Hauptstadt der Halbinsel Nova Scotia. Dort wird - ganz standesgemäß - am Steg des Royal Nova Scotia Yacht Squadron festgemacht. Hier in Amerikas ältestem Yachtclub feiert die Crew das Ende ihrer gut 4.000 Meilen langen Wikinger-Route, die „Eistaufe“ für Crew und Yacht. 

Was man braucht: Die richtige Yacht, ein wenig Mut und viel Neugier 

Sie fanden diesen Artikel spannend? Die Entscheidung, eine so anspruchsvolle Route anzugehen, ist ein großes Projekt. Marianne und Markus haben sich gewissenhaft vorbereitet. Basis und Plattform für den Törn war natürlich ihre Yacht: Stabil, nicht aus der Ruhe zu bringen und sicher. Ein Boot, wie gemacht für die Wikinger-Route. Auch wenn der Großteil der Kunden von BLUE YACHTING eher die GARCIA in diesen Breiten verortet – die aus meiner Sicht sogar einen Touch besser in die Arktis passt – hat die ALLURES mehr als einmal bewiesen, dass auch sie den hohen Norden „kann“.

„Abgesehen von den – zugegebenen nervigen, aber rückblickend gesehen harmlosen – Zwischenfällen durch ausgefallene Klein- und Verschleißteile, hat das Boot mehr als seinem Ruf entsprochen!“, so das Résumé von Markus. „Sie ist tatsächlich überaus stabil und robust, segelt trotzdem beachtenswert flink. Die ALLURES 51.9 vermittelt ein Gefühl echter Sicherheit, sogar bei denjenigen unserer Gäste, die nicht viel Offshore-Erfahrung hatten.“ Marianne fügt hinzu, dass CASTELLA ihre Sturmfestigkeit bei vielen Gelegenheiten zuvor schon bewiesen hatte. Und dass diese Erfahrungen sehr hilfreich für ihre Grönlandreise waren. 

„Die Wikinger-Route war tatsächlich die anspruchsvollste Reise, die wir bisher unternommen haben.“, beschließt Marianne unser Gespräch: Auch wenn vorerst das Segeln in wärmeren Gefilden ansteht, so bleibt die Erinnerung an die frostige Schönheit, die Stille der arktischen Einsamkeit und die grenzenlose Freiheit überaus wach. Wie sagt man doch so schön: Wer einmal dem Ruf der Arktis erlegen ist, der wird sich ihrem Locken nie mehr entziehen können. Und da, denken wir, gibt es auch Schlimmeres, oder?

Danke, Markus und Marianne, für diese intensiven Einblicke und die vielen tollen Bilder! Wenn Sie auch das Werben und Rufen der Schneewüsten Grönlands verspüren, biete ich Ihnen gern an, mit Ihnen gemeinsam über Ihr Segelprojekt zu sprechen. Lassen Sie uns unverbindlich Ihre ALLURES oder GARCIA durchspezifizieren und erforschen, ob, wie und wann auch Sie endlich ablegen können – Kurs: Polarkreis!