#103 - Isabelle und Olivier Racoupeau: Das Power-Couple des Yacht-Designs

… über die Entstehung der ALLURES Horizon 47

Sie gehört aus unserer Sicht ganz sicher zu den interessantesten neuen Yacht-Designs der letzten Jahre. Die Horizon 47 unseres französischen Aluminium-Spezialisten ALLURES feierte auf dem letzten Cannes Yachting Festival ihre Premiere und sorgte von Beginn an für großes Aufsehen. Und das, obwohl sie zunächst nur mittels Renderings und einem kleinen Modell präsentiert wurde! Die Werft hat bereits fünf Bestellungen bestätigt, was für ein Boot, dass es bisher nur als Grafik gibt, ein großer Erfolg ist! Baunummer #001 ist als Rumpf bereits fertig und wird bis zu Herbst dieses Jahres live zu besichtigen sein.

Der erste Horizon 47-Rumpf in der Werft

Die neue Horizon 47 gehört jedenfalls zu den ganz wenigen Booten, welche die Dinge „mal ganz anders“ anpacken wird. Eine disruptive Yacht, etwas ganz Neues. Ich denke, die könnte das Blauwasser-Segeln tatsächlich verändern. Oder anders herum: Diese Yacht passt sich dem echten Blauwasser-Segler auf eine ganz neue Art an. Ich konnte zuletzt mit den beiden Designern, Olivier und Isabelle Racoupeau, sprechen. Beide sind auf ihre Art ganz prägend für die ALLURES Horizon 47 gewesen: Eine spannende Geschichte, nicht nur aus seglerischer Sicht.

Was war zuerst da, die Idee des Designers oder das Briefing der Werft?

Als wir die Linien der neuen ALLURES Horizon 47 zum ersten Mal studiert haben, wurde uns schnell klar, dass dieses Boot-Design eine Art „Disruptivität“ in sich trägt. Von wem stammte eigentlich die Idee für diese Yacht? Wer ist darauf gekommen, es so anders, es so radikal zu machen?

Olivier Racoupeau: „Nun, grundsätzlich kommt das Design-Briefing natürlich immer als erstes direkt von der Werft, also Grand Large Yachting in Cherbourg. Wie bei jedem neuen Projekt richten sie ihre Wünsche und Bedürfnisse an uns Designer. Die Lösungen, die wir daraufhin entwickelt haben, sind jedoch sehr stark unsere eigenen. Das gilt für die prägenden und generellen Merkmale der Yacht ebenso wie für die Details. Bei der Horizon 47 ist das natürlich die Absenkung des Vordecks und die enorme Transparenz durch die Panoramaverglasung. Auch die charakteristische Ergonomie der Yacht und viele andere Dinge sind Produkte unserer Arbeit in den Projektgruppe. Allerdings arbeiten wir sehr eng mit der Werft zusammen. Deren Ansprüche, Wünsche und Ideen fließen auch konstant in die Arbeit mit ein.“

Naval Architect Olivier Racoupeau über die ALLURES Horizon 47

Das „Horizon Frame“ ist eben jenes prägende Design-Merkmal, zumindest von außen gesehen. Wir fragen Olivier, ob es hier verschiedene Entwicklungsstufen gab, bis man den Rumpf im finalen Design fertig sehen konnte und woher er diese Idee überhaupt hatte.

Olivier Racoupeau: „Tatsächlich ist die Idee einer horizontalen Verglasung sehr natürlich, fast schon spontan entstanden. Was interessant ist, denn das passierte bereits sehr früh im Designprozess und war eine der ersten großen Entscheidungen bzw. Vorschläge, die wir der Werft gemacht haben. Interessanterweise hat sich das Design und die Ergonomie in der weiteren Entwicklung dann kaum noch großartig verändert. Wie bei einem „großen Wurf“. Das bestätigt mir tatsächlich, dass das Design nicht nur schön ist, sondern auch für die Mehrheit der Kunden genau richtig sein könnte. Die Werft war von Anfang an begeistert und hat uns in unserem Weg bestätigt.“

So, nur in groß: Sind Sie auch so gespannt?

Das „Horizon Frame“, das fragen uns immer wieder kaufinteressierte Segler in Beratungsgesprächen zur neuen ALLURES, wird wie in den Rumpf „geschnitten“. Ich frage daher Olivier, ob und wenn ja welche strukturellen Auswirkungen dieses Feature auf die Integrität des Rumpfes hat.

Olivier Racoupeau: „Ja und nein. Natürlich ist grundsätzlich immer alles, was wir machen, strukturell und technisch berechnet und bewertet. Beim „Horizon Frame“ kann ich sagen, dass wir ganz intensiv modernste Berechnungsmethoden, wie die Finite-Elemente-Methode (FEM), genutzt haben, um alle notwendigen Sicherheiten hinsichtlich der strukturellen Integrität unter Belastung zu gewährleisten. Und das auch und vor allem wenn das Boot in schweres Wetter geraten sollte. Also keine Sorge: Die ALLURES Horizon 47 ist eine echte, ozeantaugliche Blauwasser-Segelyacht, welche die „Go anywhere“-Qualitäten der Marke verkörpert. Ganz praktisch gesehen integriert sich die große Verglasung des „Horizon Frame“ tatsächlich sehr gut in die Bootsstruktur. Keine Sorge also wegen des „fehlenden“ großen Stücks Rumpf.“ (er lächelt)

Das "Horizon Frame" muss noch herausgeschnitten & verstärkt werden

Wir fragen, nur so aus Neugier, ob so etwas auch bei einem GFK-Segelboot möglich wäre. Die Antwort überrascht, zeigt aber auch die Vorteile des Werkstoffes Aluminium bei Segelyachten auf:

Olivier Racoupeau: „Ja, natürlich! Es wäre durchaus möglich, ein Boot aus Verbundwerkstoffen mit derselben Lösung wie die Horizon 47 zu bauen. Allerdings: Wir müssten das Design hinsichtlich seiner Festigkeit und Steifigkeit auf die Anforderungen von Plastik anpassen. Ob das so sinnvoll ist, kann ich nicht sagen, aber es wäre machbar. In Aluminium ergeben sich diesbezüglich keinerlei Probleme. Und by the way: Große Rumpffenster sind durch die heutzutage verwendeten, hochmodernen Klebstoffe und Fertigungsmethoden kein Problem mehr.“

Über die Zusammenarbeit mit seiner Frau, Isabelle Racoupeau

Wir haben es am Anfang dieses Artikels angesprochen: Federführend beim Design dieser Yacht war nicht nur Olivier, sondern auch seine Frau, Isabelle. Mit ihr sprechen wir über das Design des Innenraums der ALLURES Horizon 47. Doch zunächst interessiert uns, wie eng beide zusammengearbeitet haben. Wie muss man sich das vorstellen, hat Isabelle von ihrem Mann aus dem Nachbar-Büro die Linien, die Rumpfform fertiggestellt herübergereicht bekommen und sich dann Gedanken um den Innenraum gemacht? Oder hat vielleicht sogar Isabelle´s Arbeit auch Details am Äußeren verändert?

Isabelle Racoupeau: (lacht) „Also, zunächst einmal möchte ich sagen, dass wir bei Berret-Racoupeau einen sehr spezifischen, ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Es ist kein Ehemann-Ehefrau-Büro. Wir arbeiten auch nicht von außen nach innen. Ich glaube, das ist eines der Dinge, die uns von anderen Designbüros unterscheiden. Was die Zusammenarbeit mit Olivier betrifft: Generell arbeiten wir immer in den ersten, vorläufigen Designphasen eigentlich immer gleichzeitig und vor allem – zusammen. Wir tun das, damit Entscheidungen zur Schiffsarchitektur und zum Styling nahtlos mit dem Interior-Design zusammenpassen. Und auch umgekehrt. Für den Kunden, also die Werft, ist das Boot immer ein Ganzes, ein umfassendes Konzept, und daher ist es nur natürlich, dass wir die Entwicklung eines neuen Bootes auch gemeinsam angehen. Auch wenn jeder seine eigenen Spezialgebiete und Kompetenzen hat, blühen wir in dieser ganzheitlichen Arbeitsatmosphäre richtig auf.“

Isabelle Racoupeau, die Innenraum-Architektin

Viele unserer Kunden und Segler wissen gar nicht, dass Isabelle tatsächlich Innenarchitektin für Segelyachten ist! Für viele ist es eine echte Überraschung zu erfahren, dass ihr Boot von Ihr designt wurde. Liegt das vielleicht am großen Namen des Mannes …? Wir fragen Isabelle, ob ihr der „Schatten“ von Olivier manchmal vielleicht ein wenig auf die Nerven geht und möchten wenig mehr über ihren Design-Hintergrund und ihre bisherigen Projekte wissen

Isabelle Racoupeau: „Ich weiß nicht, ob das für viele eine Überraschung ist. Aber klar, durch den international hohen Ruf meines Mannes wird mein eigener Name wohl automatisch eher etwas weniger oft, und wenn, dann immer mit dem Designbüro Berret-Racoupeau in Verbindung gebracht. Tatsächlich arbeite ich aber schon seit nunmehr 18 Jahren im Bereich der Yacht-Innenarchitektur! Ich bin 2008 ins Unternehmen eingestiegen. Wir haben damals die Innenarchitektur-Abteilung komplett neu gegründet, die ich auch seit dem leite. Wir gestalten die Innenräume fast aller von Berret-Racoupeau gezeichneten Yachten, sowie exklusiv für andere Marken. Das unterscheidet uns auch von vielen anderen großen Marken, denn die bieten oft nur die das nautische Design, also das Unterwasserschiff und das Äußere eines Bootes an. Bei uns gibt es das komplette Paket.“

Die beeindruckende Eigner-Kabine der Horizon 47

Und Isabelle hat recht, und vielleicht ist es aber auch gar nicht so schlecht, ein wenig Schatten zu genießen. Kommen wir zur Horizon 47: Da dies nicht ihr erstes Projekt mit Grand Large Yachting war – was war bei dieser Yacht denn so besonders?

Isabelle Racoupeau: „Das Besondere am Design und Konzept der Horizon 47 ist tatsächlich das Leben an Bord. Wir haben uns sehr stark auf die Qualität der Aussicht konzentriert, die Eigner und Gäste vom Inneren aus genießen können. Ebenso hatte die sichere Bewegung an Bord höchste Priorität – sowohl vor Anker als auch in Fahrt, selbst in stark bewegter See. Um ehrlich zu sein, haben Olivier und ich dieses Konzept schon seit einigen Jahren im Kopf. Als dann die Anfrage von ALLURES kam, haben wir entschieden, dass jetzt der richtige Zeitpunkt wäre, es endlich umzusetzen. Wir haben dann gemeinsam mit der Werft ein Lastenheft erstellt, um deren Wünsche und Anforderungen einzuarbeiten. Interessant ist dabei, dass auch ALLURES in deren Lastenheft eine Gestaltung gefordert hatte, bei der ein besonders geselliges Leben an Bord oberste Priorität haben sollte. Das war für uns der Anlass, endlich die „Horizon Frame“-Idee Wirklichkeit werden zu lassen.“

Was ist beim Interieur der neuen ALLURES Horizon 47 so anders, so neu?

Der neuen Yacht sieht man von außen auf jeden Fall an, dass da etwas ganz Neues kommt. Wie aber wirkt sich das auf den Innenraum aus und was dürfen Eigner und Gäste an Bord erwarten?

Isabelle Racoupeau: „Beim Innenraum-Design der Horizon 47 kamen die Ideen wirklich aus dem Konzept selbst. Da es sich ja um eine dezidierte Langstrecken-Yacht für das echte Blauwasser-Segeln handelt, sollte das Interieur einen Raum schaffen, in dem man sich sicher und geborgen fühlt, wie in einem Kokon. Das war das grundlegende Motiv mit dem wir gearbeitet haben. Wir wollten einen Innenraum gestalten, der komfortabel, beruhigend, schützend und umhüllend ist, gleichzeitig aber einen großartigen Blick nach draußen bietet. Ein echter Kokon mit Meerblick also, wenn man so will.“

Mit solchen Skizzen geht es los

Wie ist das so, als Designer? Arbeitet eine Isabelle noch mit Bleistift und Papier? Wird noch von Hand skizziert und ausprobiert, oder geht es sofort in der digitalen Welt los? Wie arbeitet Isabelle Racoupeau und welche waren die wichtigsten Etappen beim Design des Horizon-47-Interieurs?

Isabelle Racoupeau: „Ja, genau! Ich beginne tatsächlich mit Bleistift und Radiergummi. Ich notiere Ideen, mache Skizzen, zeichne grobe Möbelentwürfe und wähle Materialien aus, die zur gewünschten Atmosphäre passen und den Anforderungen einer maritimen Umgebung standhalten. So verfeinere und kläre ich zunächst meine Ideen. Danach gehen wir mit dem Team in die digitale Phase. Ich habe das Glück, mit einem hochspezialisierten und sehr kompetenten Team zusammenzuarbeiten. In dieser Phase modellieren wir dann die Innenräume komplett, zum Beispiel mit der Software „CATIA“. Wir erstellen 3D-Modelle aller Kabinen und Innenräume, texturieren sie und erzeugen realistische Renderings. Es ist wirklich beeindruckend zu sehen, wie aus einer Bleistiftskizze ein komplett detailliertes 3D-Modell wird!“

Die faszinierende Arbeit der Yacht-Designer

Sie mögen sich jetzt fragen, was der größte Unterschied zwischen dem Interieur der ALLURES 45.9 und der neuen Horizon 47 ist. Was können also Segler, Crew und Gäste von dieser neuen Yacht erwarten, was die 45.9 (zumindest in diesem Maße) nicht bietet? Wir fragen Olivier und Isabelle gleichermaßen.

Isabelle Racoupeau: „Natürlich gibt es Unterschiede! Die wesentlichen Unterschiede liegen meiner Meinung nach im Raumgefühl, der Menge an natürlichem Licht in allen Ecken und der Helligkeit, die den gesamten Innenraum durchflutet. Um etwas wirklich Besonderes zu schaffen, haben wir intensiv an den Formen der Möbel gearbeitet und viele weiche Kurven integriert, um ein sehr gemütliches Gefühl zu erzeugen. Ich bin sehr stolz auf die entstandene Atmosphäre!“

Licht-durchflutet, hell, schick!

Olivier Racoupeau: „Man fängt beim Yacht-Design ja nie wirklich mit einem reinen, leeren, weißen Blatt Papier an – das ergibt keinen Sinn. Bei einem neuen Auto muss man das Rad oder den Motor ja auch nicht neu erfinden. Jedes neue Projekt baut auf unseren Erfahrungen und unserem Know-how aus früheren Projekten auf. Hinsichtlich der Segeleigenschaften der neuen Horizon 47 wird es keine großen Unterschiede zum Segeln einer 45.9 geben. Erfahrene Skipper werden jedoch vielleicht bemerken, dass die Weiterentwicklung des Segelplans der neuen Yacht in praktisch allen Bedingungen einen kleinen Vorteil verschafft. Alles ist ein bisschen … besser, smoother vielleicht. Ich freue mich sehr darauf, sie bald in echt zu sehen und zu segeln.“

Für echte Blauwasser-Abenteuer: Horizon 47

Wie schwierig ist es, ein Interieur zu gestalten, das einerseits üppig und luxuriös sein soll, andererseits aber auch die nötige Sicherheit und Robustheit vermittelt, die ein wesentlicher Aspekt einer Aluminium-Yacht sind? Wir kann etwas hochsee- und sturmfähig und gleichzeitig so schön sein?

Isabelle Racoupeau: „Nein, es ist überhaupt nicht schwer! Die Sicherheit und Robustheit von Aluminium-Yachten ist ein fester Bestandteil ihrer DNS, deshalb müssen sich unsere Innenräume daran orientieren. Beides schließt sich nicht aus ...“

Olivier Racoupeau: „… im Gegenteil, Aluminium kann sogar sehr elegant und raffiniert verarbeitet werden, wenn sich die Werft entsprechende Mühe gibt, Rundspant anstelle billigem Knickspant und so weiter. Man kann sehr wohl schöne, elegante Außenlinien herstellen, wie man an diesem Boot sieht!“

Für wen ist die ALLURES Horizon 47 das passende Boot?

Das ist vielleicht für uns und für Sie die wichtigste Frage: Für wen passt die Yacht am besten? Wer wäre denn nach Meinung der beiden Designer der perfekte Kunde für die Horizon 47? Und wer wäre mit einer ALLURES 45.9 oder 51.9 oder sogar der (ebenfalls luxuriösen) GARCIA besser bedient?

Olivier Racoupeau: „Nils, ehrlich, ich weiß nicht, ob es so etwas wie den „perfekten Kunden“ gibt. Ebensowenig glaube ich, dass es das „perfekte Boot“ für jeden gibt. Das ist eher Dein Job, das Segelprogramm und die Bedürfnisse Deiner Kunden genau zu hinterfragen, um dann ein passendes Schiff mit der besten Konfiguration zu ermitteln. Da kennst Du Dich sicher viel besser aus, als wir. Was ich aber sagen kann ist, dass es die konstante Innovation uns ermöglicht, Yachten so weiterzuentwickeln, zu verändern und anzupassen, wie sie 2026 und in den kommenden Jahren tatsächlich genutzt werden. In der Horizon 47 stecken nicht nur die Erfahrungen von ALLURES und Berret-Racoupeau, sondern das Feedback von echten Seglern und Kunden, von buchstäblich Millionen Seemeilen! Und in diesem Sinne ist die Horizon 47 ein wirklich zukunftsweisendes Boot!“

Wollen wir gemeinsam die Horizon 47 entdecken?

Ich bedanke mich bei den Beiden für das Gespräch. Es ist immer wieder faszinierend, wie „normal“, nahbar und nett Olivier und Isabelle sind, die schon so viele große und erfolgreiche Yachten gezeichnet und entwickelt haben!

Wenn Sie sich für die Horizon 47 interessieren, lassen Sie uns in Kontakt treten. Gern sende ich Ihnen alle verfügbaren Unterlagen zu, gern arrangiere ich einen exklusiven Werftbesuch in Cherbourg, wo die erste Baunummer bereits in der Fertigung ist. Diese können Sie dann live und in Farbe ab dem kommenden Herbst 2026 in Augenschein nehmen – und sich hoffentlich genauso von dem Charme und den Innovationen dieser Yacht für Ihre Blauwasser-Pläne überzeugen lassen.