#97 - Die Blauwasser-Inflation
Nils Schürg über echte Blauwasser-Yachten, Explorer und Expeditions-Schiffe
Ebenso wie “Blauwasser”, wird der Begriff “Explorer-Yacht” und „Expeditions-Segelyacht“ oftmals gern im Marketing von Werften, in Segel-Magazinen, auch YouTube Channels (mit den vielen bunten „Influencern“) und im Internet benutzt. Und das mit steigender Frequenz. Wir freuen uns natürlich darüber, dass diese Themen auf das wachsende Interesse in der Öffentlichkeit stoßen. Wir ärgern uns aber über den oftmals inflationären Gebrauch, der manchmal sogar einfach falsch ist. Als langjährige Vertreter von GARCIA und ALLURES ist es uns daher wichtig, mit einigen Mythen, Wissenslücken und allzu leichtfüßiger Kommunikation aufzuräumen.

Träumen Sie auch von der ganz großen ... Blauwasser-Reise?
Warum liegt uns das so am Herzen? Sollen die Magazine doch schreiben, was sie wollen, möge im Internet halt stehen was dasteht. Oder? Nun, es ist uns deshalb so wichtig, weil sich alle, die am Ende nicht nur reden sondern wirklich die Segel setzen und in die Arktis segeln, vor allem eines gewiss sein sollten: Dass die Yacht, für die sie sich entschieden haben, auch wirklich mit den Bedingungen vor Ort zurechtkommen wird! Wir wollen, dass Sie nicht mit einem „Marketing-Explorer“, sondern einem echten, leistungsfähigen und vor allem sicheren Seeschiff ins Abenteuer Ihres Lebens starten.
Zur Begriffsklärung: Was ist „Bauwasser“, „Expedition“ und „Exploration“ eigentlich?
Ebenso, wie der Begriff „Performance“ häufig im Zusammenhang mit den Segelleistungen einer Yacht benutzt wird, begegnen Ihnen in Segelmagazinen, in Internetforen und in Social Media immer wieder diese drei Begriffe. Es ist keine Wissenschaft, für den einen sind 7 Knoten im Schnitt „performant“, für den Anderen kommt es mehr auf die Seegängigkeit an. Speed, Höhe am Wind, Steuerverhalten, Feedback am Ruder – all das zählt auf „Performance“ ein, eine genaue Definition, vom Duden fixiert oder gar rechtlich vorgeschrieben, gibt es allerdings nicht. Das gleiche gilt für die Begriffe Blauwasser, Expeditions- und Exploration-Yacht.

Was ist das eigentlich, Blauwasser?
Fangen wir so an: Viele Werften und Marken bezeichnen heute ihre Schiffe als „blauwassertauglich“. Im oberen Preissegment (die Serien-Werften lassen wir bewusst hier außen vor), sind das beispielsweise die Grand Soleil LC-Yachten, die neue Wauquiez 55, natürlich die deutschen Sirius-Boote, die neue Alu-Werft aus Kiel, Pure Yachts. X-Yachts hat mit der Xc-Reihe schnelle, schöne Yachten im Angebot und ich persönlich trauere noch ein wenig der Elan GT6X hinterher, einer aus meiner Sicht ausgesprochen gut gelungenen Blauwasser-Yacht in GfK. Was ist denn nun „Blauwasser“ eigentlich? Auch hier: Für jeden etwas anderes.

Für mich eine besten GFK-Blauwasseryachten: ELAN GT6X
Für die meisten Menschen ist das Verlassen Europas eine Voraussetzung fürs Blauwasser-Segeln. Eine Atlantik-Überquerung oder -Runde muss es mindestens sein, so richtig „blau“ wird es für viele dann aber erst im Pazifik. Das Segeln in der Südsee, auf der „Barfußroute“, steht für die meisten Menschen synonym für Blauwassersegeln. Ich habe da meine eigene Definition, denn ich finde, Blauwasser-Segeln hat vor allem etwas mit dem Menschen zu tun. Ich denke, der große Unterschied zwischen Blauwasser und Daysailing, Weekender und Urlaubssegeln ist die Zeit, die einem zur Verfügung steht. Und der Druck zur (nahen) Rückkehr, den man eben nicht hat. Blauwasser, das ist für mich eher das Loswerfen der Landleinen und das Lossegeln ohne Druck und Termine. Blauwasser kann also durchaus auch eine ausgedehnte Ostsee-Runde sein oder das Sabbatical mit der Familie in der Ägäis. Sie merken also, es gibt hier verschiedene Deutungen und Interpretationen.

Das kann wirklich nicht jede sogenannte "Blauwasser-Yacht"!
Etwas „spitzer“ wird es bei den Begriffen „Expedition“ und „Exploration“, denn hier finde ich, ist das Einsatzgebiet einer solchen Yacht sehr genau definiert. Wer sich auf eine Expedition begibt, der verlässt per se gewohnte, ausgetretene, erkundete, befestigte Wege und begibt sich bewusst in unbekanntes, unerschlossenes und oftmals weit abgelegenes Gebiet. An Land ebenso, wie auf dem Wasser. Keine Infrastruktur, keine Hilfe (und wenn, dann weit weg und sehr aufwendig), keine Karten, keine Daten. Wo der Anspruch daran, was eine Blauwasser-Yacht leisten können muss, noch durchaus debattierbar wäre, ist das aus meiner Sicht bei Explorer-Yachten nicht mehr so. Warum? Weil Sie bei -40 Grad Celsius, 52 Knoten auflandingem Wind und sich nähernder Eisdrift einfach keinerlei Spielraum für Interpretationen zulassen dürfen: Hier gibt es keinerlei Marge!
Was macht Blauwasser- und Explorer-Yachten aus?
Fangen wir beim kleinsten gemeinsamen Nenner an. Ozeanfähige, ernsthaft auf Langfahrt gehende Yachten sollten von der Dimensionierung der Beschläge und des Riggs immer alles etwas größer haben, als es die auf Kante „genähten“ und vom Kostendruck geprägten Serienhersteller machen. Leinen, Bruchlasten und dergleichen sollten etwas überdimensioniert und vor allem nicht am Limit sein. Ein gutes Blauwasser-Rigg muss möglichst einfach und sicher sein: Alle mechanischen und vor allem elektrischen/elektronischen „Spielereien“ können (und werden wohl auch) irgendwann versagen. „Keep it safe & simple!“ ist das Motto.

Alu - muss dann schon sein!
Das Handling der Segel sollte grundsätzlich und immer vom Cockpit aus machbar sein. Das ist einfach viel sicherer im Seegang oder in eisigen Temperaturen. Selbst bei normalem Regen wird das Deck oftmals gefährlich rutschig. Aber auch hier gibt es solche und solche Bedienkonzepte: Bei manchen Segelyachten sind die Winschen recht weit außen am Süll montiert, da hängt der Schoter schonmal gefährlich nahe an der Reling beim Kurbeln ... Stichwort Reling: Die sollte aus meiner Sicht robuster, am besten mit festem oberen Rohrlauf, und etwas höher als in der CE-Norm vorgeschrieben sein. Schauen Sie sich hier gern dieses Detail an Bord der GARCIAs einmal an.
Hochseesegelei ist eben etwas ganz anderes …
Die Amerikaner und Engländer haben einen schönen Begriff, für den wir im Deutschen leider keine gute, eigene Übersetzung haben: „Seakindness“. Denn „seaworthy“, also hochseefähig, ist irgendwie am Ende jede CE Kat A-Yacht. Seakindness beschreibt dabei das subjektive Empfinden der Besatzung, wie „angenehm“ das Boot durch ozeanische Welle geht. Wer schon einmal im normalen Atlantik-Schwell oder der Biscaya gesegelt ist und damit den Unterschied zur Ostsee-Welle kennt, weiß, was ich meine. Die Yacht muss so segeln, dass man als Crew – im anstrengenden Wachsystem über Tage und ggf. Wochen – nicht von ihr „fertiggemacht“ wird. Angenehme Bewegungen auch in schwerer See, man muss sich auch unter Deck wohlfühlen können. Beim Blauwasser-Segeln ist dies meist viel wichtiger als die Performance!

Am besten als Rundspant-Konstruktion
Angenehmes Segeln wird zu einem großen Teil durch die Bauform des Rumpfes definiert. Ein schöner, hydrodynamisch effizienter Rumpf in Rundspant-Bauweise ist aus meiner Sicht ein Muss. Natürlich sind vor allem Aluminium-Yachten mit solchen „round bilge“-Rümpfen in der Herstellung wesentlich teuerer, als Alu-Rümpfe, die als einfache Knickspanter ausgeführt sind. Hier werden gerade Längs-„Planken“ auf das Kiel-Spant-gerüst geschweißt, was den Bootsbau schneller und die Anforderungen an die Handwerkskunst niedriger macht. Alubat hat bei den Ovnis beispielsweise die Anzahl der Planken nochmals von 7 bei den älteren Ovnis auf aktuell 5 Planken reduziert. Ein solcher Rumpf, mit vielen harten Kanten, geht natürlich anders durch das Wasser, als ein glatter, runder. Während Boreal und Alubat auf Knickspanter setzen, bauen ALLURES und GARCIA, aber auch KM Yachtbuilders, weiterhin in Rundspant-Konstruktion.

Alu kann durchaus schön, schnittig & auch schnell! - Allures 45.9s
Gleiches gilt für den Rumpfquerschnitt einer Yacht. Je flacher im Bodenbereich ein Rumpf ist, desto schneller segelt er: So könnte man das zumindest ganz groß formulieren. Ein IMOCA-Racer beim Vendée Globe ist im Prinzip ein riesiges, plattes Surfbrett mit Kabine. Aber eben schnell. Indes, Boris Herrmann & Co tragen nicht umsonst Sturzhelme und Knieschützer, denn Gleiter-Rümpfe sind eines nicht: Seakind! Um einen Rumpf angenehm durch die Wellen gehen zu lassen, vor allem bei hohem, ozeanischem Schwell oder gar im Sturm, ist mindestens für den Bug-Bereich eine ausgeprägte V-Form notwendig. Damit gleitet die Yacht zwar nicht und wird kaum die theoretische Rumpfgeschwindigkeit überbieten, sie geht aber auf Dauer angenehm durch die Welle und wird auch vor Anker erträglich bleiben. Warum ist das so wichtig?

Alle konstruktiven Merkmale einer Explorer-Yacht auf einem Blick
Wussten Sie, dass man bei einer normalen, durchschnittlichen Blauwasser-Reise oder Weltumsegelung oftmals nur 10 Prozent der Zeit wirklich segelt? Die meiste Zeit liegt man vor Anker. Seltener, aber auch öfter als man denkt, in einer Marina. Die Wohnqualität an Bord, vor allem vor Anker, ist entscheidend. Die meisten Menschen besichtigen Yachten auf Messen an Land, wo sie sich gar nicht bewegen, oder am Steg. Vor Anker, in der Karibik beispielsweise, sieht die schöne offene Tanzfläche im Salon dann aber schnell ganz anders aus: Fallhöhe 3 Meter von einer Seite auf die andere. Weite Island-Betten, die bei Seegang unbenutzbar werden.
Die Yacht als komfortable und sichere Heimstatt
Wenn man so lange Zeit an Bord der Yacht verbringt, spielt der Komfort eine große Rolle. Damit meine ich explizit nicht die oftmals bei Großserienbooten angepriesenen „Spielereien“ wie Heck-Grill oder Weinkühlschrank. Ich meine den Lebenskomfort. So benötigt eine Segelyacht, die als Explorer in die hohen Breiten segeln will, eine leistungsstarke Wasser-Heizung. Das Webasto-Gebläse kommt gegen arktische Temperaturen nicht mehr an. Voraussetzung für ein lebenswertes Wohnklima an Bord ist natürlich eine vernünftige Dämmung: Die suchen Sie bei Serienbooten vergebens. Eine ALLURES ist selbstverständlich ab der Wasserlinie gedämmt, die für extreme Expeditionen konzipierte GARCIA sogar doppelt so dick, wie auch in den Bodenbrettern. Die Dämmung ist gerade bei Aluyachten wichtig, denn auch in „normalen“ Breiten sammeln diese Rümpfe Schwitzwasser durch die Atmung der Crew.

Die Isolierung des Rumpfes einer Aluminiumyacht ist mit das wichtigste Detail im Bau
Zum Bordkomfort zählt natürlich eine Ausstattung mit allerlei Geräten und Maschinen, die das Leben erleichtern: Auf Langfahrt müssen Sie an Bord Ihre Wäsche waschen und trocknen können. Sie brauchen definitiv viel mehr Frischwasser, als im Urlaub – also einen Watermaker – und auch viel mehr Energie, als auf dem Kroatien-Törn. Eine ausreichend dimensionierte Batteriebank mit verschiedenen Nachlade-Möglichkeiten ist ein Muss. Bei GARCIA und ALLURES liefern wir unsere Dieselmotoren mit großen Lichtmaschinen aus, damit das Nachladen bei Maschinenfahrt besonders schnell und effizient erfolgen kann. Zudem ist meist ein Gen-Set an Bord. Sekundäre Energie-Erzeugung ist bei Expeditions-Yachten sinnvoll, muss aber wohl überlegt sein. Was nützt eine große Solaranlage auf dem Dach oder Deck, wenn diese die meiste Zeit verschattet ist? Daher empfiehlt sich die Installation auf dem Geräteträger am Heck.

Solarpanels kann man nicht genug haben auf Langfahrt
Zum Bordkomfort gehört auf einer Blauwasser- oder Explorations-Yacht aus meiner Sicht auf jeden Fall auch eine Seekoje im Salon oder nahe des Cockpits. Warum? Oftmals sind Crewmitglieder an Bord, die zwar Wache gehen, aber nicht so versiert oder erfahren sind. Es erhöht die gefühlte und objektive Sicherheit für Wachgänger und Skipper gleichermaßen, wenn dieser seine Freiwache in der Seekoje „nah am Geschehen“ verbringen kann. Oder, wenn man selbst Wache gehen muss, man sich in freiem Seeraum einmal kurz für 20 Minuten aufs Ohr hauen kann … von der Praktikabilität bei Sturm ganz zu schweigen. Passt die Länge und Bequemlichkeit der Sitzbänke, auch bei Lage? Gibt es an und unter Deck genügen stabile Haltegriffe in der richtigen Höhe? Details, Details.

Eine bequeme und tiefliegende Seekoje ist Vorraussetzung für einen erholsamen Schlaf auf See
Schließlich, weil Sie eben viel Zeit an Deck und im Cockpit verbringen, sollte hier ein stabile konstruiertes Bimini Standard sein. Bei Yachten, die in extremere Breiten gehen, sollte dies so stabil sein, dass man es immer stehen lassen kann. Hier kann bei Bedarf das ganze Cockpit dann mittels „Kuchenbude“ umschlossen werden, welche den Wohnraum der Yacht enorm erweitert, auch vor Anker in Spitzbergen! In der Südsee wiederum schützen Teile der Kuchenbude bei dem oftmals heftigen, Orkanstärke erreichenden tropischen Regen, der von der Seite reinkommt. Da ist dieses Teil Gold wert! Unter Deck sollte eine wasser- und regendichte (!) Ventilation mittels Luken und Ventilatoren hergestellt werden können.

Kuchenbude und gutes Bimini schützen gegen Sonnenbrand und Kälte
Das Thema „Redundanz“ ist ein weites Feld und würde hier zu weit führen. In diesem Zusammenhang sei aber vielleicht auf die Qualitäten des Yachthändler hingewiesen, bei dem Sie Ihr Boot kaufen wollen. Denn versierte und erfahrene Bootshändler haben die Erfahrung und das Wissens-Spektrum, die Ausstattung der Hochseeyacht genau und passend an den individuellen Einsatz-Zweck und Ihr Segelprogramm anzupassen. Da wird dann nicht geschaut, wie durch immer mehr Optionen die eigene Provision wächst, sondern eher, was Sie für Ihr Abenteuer an Bord wirklich benötigen – und was vielleicht auch nicht.
Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit!
Selbst „nur“ auf dem Atlantik kann es Tage dauern, bis im Ernstfall ein Containerschiff oder Hubschrauber bei Ihnen ist. Arktis, Antarktis? Schwierig. Daher ist das oberste Gebot bei Blauwasser-Yachten, noch mehr bei Explorer-Yachten, die Sicherheit an Bord. Dass alles etwas robuster ausgelegt sein sollte, haben wir erwähnt: Das gilt vor allem für Ruderblätter, Schaft und Koker. Schauen Sie hier ganz genau auf die verbauten Komponenten tief unten in der Kiste. Ist das durchschnittliche Allerwelts-Serien-Qualität oder kann das Ruder auch mal einen Schlag vertragen? Eine GARCIA kann auf den Ruderblättern stehen – trockenfallen gehört bei uns zum Standard. Schauen Sie sich diese Koker an:

So muss ein robuster Koker aussehen
Gleiches gilt für die Antriebspropeller. Ein Saildrive hat aus meiner Sicht bei einer Expeditions- oder Exploreryacht nichts zu suchen! Ein solider, wartungsarmer und vor allem wenig anfälliger Wellen-Antrieb ist einem Saildrive in jedem Fall vorzuziehen. Gleichsam ein Muss: Das gute alte Skeg. Schützen Sie den Propeller vor Beschädigungen: Der Schacht vom Integralschwert einer ALLURES oder GARCIA bietet die optimale Form von Schutz. Es sind aber auch die Details, die oftmals einen großen Unterschied machen: Wenn man an Bord erst einmal die Backskiste ausräumen muss, um an vitale Installationen zu kommen, ist das Konzept der Yacht nicht besonders blauwasser-tauglich. Am besten, es gibt im oder neben dem Maschinenraum einen „Technikraum“, wo man zentral alle großen Ausrüstungs- und Steuerungs-Elemente findet: Generator, Klimaanlage, Elektrik, Elektronik aber auch Seeventile, Filter, Watermaker, Waschmaschine und die große Batteriebank (später mehr dazu) etc..

Schaden am Ruderlager/-koker durch leichte Grundberührung. Dieser Törn ist sicher vorbei!
Ganz besonderes Augenmerk sollten Blauwasser-Segler und Explorer auf das Thema Anker legen. Ausreichend großes Ankergewicht (und ein Anker, der zum Ankergrund passt) sind dabei imperativ. Man kann nie "zu viel“ Kette dabeihaben! Wo Serienyachten oftmals mit nur 50 Metern bei 50 Fuß-Booten kommen, sind aus meiner Sicht 80 Meter Ankerkette eher das Minimum, besser +100m, wenn es in die windreichen arktischen und antarktischen Gefilde gehen soll. Zweit- und Heckanker sowie ausreichend Landleinen sind ebenfalls ein Muss! Denken Sie daran, wenn der Anker versagt, ist höchste Not angesagt – hier sollten gute Skipper immer auf Nummer sicher gehen! Übrigens: Bei der GARCIA Exploration-Serie beispielsweise ist das gesamte Kettengewicht in der Schiffsmitte über dem Ballast, und nicht vorn im Ankerkasten. Der Effekt ist absolut spürbar! Last not least, das Beiboot. Auf jeden Fall werden Sie ein Dinghy benötigen, denn Marinas sind auf weltweiter Fahrt eher rar und sehr teuer. Ankern oder ein Bojenplatz sind die Regel. Das Dinghy sollte robust, UV-beständig und groß genug dimensioniert sein, dass es Personen wie Einkäufe zum Boot shuttlen kann. Am praktischsten und einfachsten haben sich hierbei die Davits am Heck, gern in Geräteträger oder „Arches“ integriert, bewährt. Keep it simple! Bleiben wir noch ein wenig vor Anker …

Ohne Beiboot? Kein Blauwasser!
Die Badeplattform, ob nun fest oder klappbar, ist ebenfalls extrem wichtig bei einer Blauwasser- und Expeditionsyacht. Nicht so sehr, um bequem nach der morgendlichen Schwimmrunde wieder an Bord zu kommen (wobei das natürlich auch wichtig ist), sondern, damit Sie hier sicher und schnell das Dinghy be-/entladen können. Sie werden auch vielleicht eine Arbeitsplattform (bei ruhigem Wetter) für „grobe“ Arbeiten haben wollen. Etwa bei Dingen, die Sie nicht an Bord oder im Schiff machen wollen, wie schleifen, sägen, schweißen etc.. Nicht zuletzt: Angeln und das ausnehmen eines Thunfisches (große Tiere!) ist im Cockpit einfach eine Riesensauerei. Wohl dem, der eine Plattform hat!
Welche Kielart und Kielform? Schwert, Hub, Schwenk oder Festkiel?
Für mich persönlich – und wirklich alle meiner echten Hochsee-Kunden ist diese Frage ganz einfach zu beantworten: Auf jeden Fall sollte eine Expeditions-Yacht einen variablen Tiefgang haben! Nur so können Sie ja erst in den Entdecker-Modus schalten: Flussläufe hinauf dampfen, sich in kleine Buchten sneaken, dicht unter Land gehen. Es wird dort doch erst richtig spannend: Die Flora und Fauna erleben, nah rankommen! Aus Sicherheitsgründen ist das sogar geboten, denn je näher Sie unter Land kommen, desto mehr bietet es Schutz vor Wind und Sturm, vor dem anlaufenden Schwell hinter einer Felsen-Ecke. Also: Kein Festkiel bitte!

Integralschwert: Empfehlenswert
Grundsätzlich sind T-Kiele, also Kielformen mit einer Bombe oder einem Torpedo am Ende, nachteilig, weil sich dort Seegras (im besten Falle) oder Fischernetze sehr einfach verfangen könnten. Die schleppen Sie dann mit, das Hinabtauchen und Entfernen ist harte (und gefährliche) Arbeit. Schwenkkiele und Integralschwerter sind aus meiner Sicht am besten geeignet. Sollten Sie doch einmal aufsetzen oder einen Stein treffen, klappt es zurück, ohne große Beschädigungen zu verursachen. Ein in Längsrichtung starrer Hubkiel leitet solche großen Kollision-Kräfte stur in den Schacht ab. Je nachdem, wie schwer die Grundberührung ist, könnte das einen katastrophalen Schaden anrichten.

Integralschwert - ein einfaches, wartungsarmes und leicht verständliches System
Bei unseren GARCIA und ALLURES ist der Schwenkkiel zudem in einer besonderen Form gebaut: Als Integralschwert. Der Ballast ist dabei eben nicht im Schwert selbst, sondern im Rumpf der Yacht. Ganz so, wie bei einem Wikinger-Schiff oder einer phönizischen Galeere. Ob dabei das Schwert oben oder unten ist, ändert nichts an der hohen Stabilität der Yacht – das Schiff bleibt auch unter Vollzeug und hochgezogenem Schwert im flachen Wasser voll segelbar. Es dient lediglich dem verhindern der Drift. Ein weiterer Vorteil des Integralschwerts ist, dass es sehr einfach zu bedienen ist. Wir brauchen keine wartungsintensive Hydraulik, sondern nur eine Leine um die Winsch. Wenn Sie das Thema Integralschwert en-detail interessiert, klicken Sie hier.
Nicht zu unterschätzen: Erfahrungen von Werft und Händler
Sie sehen, es gibt eine Menge großer und kleiner Details zu beachten. Gerade als Neu-Abenteurer oder als Skipper, der nach einigen Jahren Ostsee nun die „großen Projekte“ angehen will, können Sie gar nicht alles wissen. Wie bereits angesprochen, ist daher die Erfahrung der Bauwerft und die des Händlers zentral bei der Auswahl der Yacht. Wir haben bei GARCIA und ALLURES Jahrzehnte Erfahrungen beim Bau exzellenter ozeangehender Expeditionsyachten: Nicht umsonst gilt die GARCIA als Benchmark in diesem Segment. So steckt beispielsweise das geballte Wissen und die Millionen Seemeilen Hochsee-Kompetenz eines Jimmy Cornell in den Yachten – ebenso wie das Feedback dutzender „echter“ Arktis- und Kap Hoorn-Segler. Die Bauqualität, des Rohmaterials (Alu ist nicht gleich Alu!), die zugrundeliegende Konstruktion, Qualität der Schweißarbeiten, massefreie Elektro-Installation … all das sind Themen, die über Wohl der Wehe einer Yacht am Ende entscheiden.

Mein Freund Jimmy Cornell am Steuer seiner Garcia Exploration 45 vor den Eisbergen Grönlands
Eine Werft sollte zudem nachweislich über die Möglichkeit verfügen, Service und Betreuung anzubieten. Dazu gehört auch, dass man Spezial-Teile jederzeit zu Ihnen an Bord bringt oder gar Service-Teams im Einsatz hat, die weltweit diese auch einbauen können. Grundsätzlich gilt: Wer bei einer echten, hochseegehenden Explorer- oder Blauwasseryacht schon aufs Geld gucken muss und unter Sparzwang leidet, wird sich mit halbgaren (und unsicheren) Kompromissen zufriedengeben müssen. Ich bezweifle, dass der Wunsch, einmal im Leben einen Eisberg mit Pinguinen zu sehen, es wert ist, Ihre Freunden und Familienmitgliedern in Lebensgefahr zu bringen …
Ich hoffe, dass wir mir diesem Artikel einen Kontrapunkt setzen können, gegen die allzu inflationär und leichtgläubige Verwendung der Begriffe „Blauwasser“ und „Exploration-Yacht“ – Kategorie A heißt noch lange nicht, dass diese Yachten auch bedenkenlos nach Grönland gesegelt werden sollten. So schön das Träumen und Pläneschmieden auch ist, die Arktis ist ein Lehrmeister, der selbst die schlimmste Bora der Adria verblassen lassen kann.
Wenn Sie Ihren Traum von der „echten Seefahrt“ mit einer Expeditionsyacht wahr werden lassen wollen, empfehle ich Ihnen eine Reise mit der POLARIS: Boot, Skipper Fahrtgebiet erleben Sie genau so, wie wir es oben beschrieben haben. Lernen Sie von den Erfahrungen dieser Menschen, setzen Sie auf Qualität, kürzen Sie nicht ab. Als Aluminium-Experten mit allein über 50 verkauften GARCIA Exploration und ALLURES verfügt BLUE YACHTING über eine jahrzehntelange Erfahrung. Und zwar nicht im Marketing, sondern im echten Blauwasser-Bereich.